Neues von PSE

december 2013 newsletter-english

Neuigkeiten von PSE – Dezember 2013
Ein Baum als Haus – kein Baumhaus!

Sie leben an der Eisenbahnlinie, unter diesem Baum, vom Boden her nur durch ein Brett auf ein paar Rundhölzern geschützt. Das Obdach aus alten Planen, Kartonstücken und Reissäcken im Hintergrund des Fotos gehört ihnen nicht, das ist das „Haus“ ihrer Nachbarn. Für die Nacht hängen sie ein Moskitonetz zwischen den Baumstamm und einen Pfahl. Während der langen Regenzeit, wenn die Regengüsse des Monsuns niedergehen, bitten sie für die Nacht um ein bisschen Zuflucht unter dem Vordach der Nachbarn (rechts im Bild). Das ist wenig Zuflucht vor den Windböen und Wasserhosen… Sie kommen aus der Gegend von Kampot. Dort besaßen sie kein Land, die Mutter war Hilfsarbeiterin bei einem Bauern. Der Vater, der auf eine der vielen vom Krieg übrig gebliebenen Minen getreten war und daher nur noch ein Bein hat, fand dort keine Arbeit. Und so ist die Familie vor nicht langer Zeit in einem Vorort von Phnom-Penh gelandet, wo der Vater hoffte, dass er etwas verdienen könne. Sie haben nichts, nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Ein paar Küchenutensilien in einem Haufen, ein Moskitonetz, das ist alles. Da kann man nicht länger warten, denn es geht um die Sicherheit und die Gesundheit der Kinder, man muss sie sofort Not aufnehmen. Ab sofort sind Mom, die zehnjährige Tochter und Lav (6 Jahre), der Jüngste, von PSE an einer Schule angemeldet worden und erhalten dort ein Frühstück und Reis für die Familie, damit sie zur Schule gehen können. Bis sich etwas Besseres findet, haben wir ihnen außerdem ein Zelt gegeben, damit sie ein bisschen geschützt sind und nicht mehr direkt auf der Straße leben müssen. Sie kennen Weihnachten nicht, aber dieses Jahresende bringt ihnen dennoch eine große Freude.
Ein neuer Elan (von J.-M. Bouchard, Vorsitzender)

Viele von Ihnen wissen es schon, „Oma und Opa“, oder Marie-France und Christian, übergeben uns das Ruder. Die „Tour de France“, eine Tradition von Anfang an, hat alle Kräfte unserer Hilfsorganisation auf dieses ihr Kommen einmal im Jahr konzentriert. Aber das war, Sie wissen es gut, sehr ermüdend für sie. Im steten Kontakt mit den Kindern bleiben sie zwar jung, aber 20jährig sind sie trotzdem nicht mehr und so müssen sie nun ein bisschen auf ihre abnehmenden Kräfte Acht haben. Auch wenn sie nun nicht mehr körperlich präsent sein werden, so werden sie ohne Zweifel uns mit Videos u.a.m. versorgen, um unsere Veranstaltungen tatkräftig zu unterstützen. Sie haben Vertrauen in uns, dass wir weitermachen werden, um für „unsere Kinder“ die nötigen Ressourcen zu mobilisieren. Es ist nun an uns, die Herausforderung anzunehmen und ihnen zu zeigen, dass wir ihres Vertrauens würdig sind. Das ist ein glückliches Zusammentreffen, denn in diesem Jahr 2014 feiern wir 25 Jahre der Charta für Kinderrechte, von der etliche Artikel in unsere eigene Charta übernommen worden sind. Wir haben schon etliche Ideen in der Rückhand, von denen wir Ihnen im Laufe dieses Jahres erzählen werden, um in 2014 diesen neuen Elan auf die Beine zu stellen, diese neue Energie, so dass wir alle miteinander der Herausforderung gerecht werden. Marie-France und Christian haben angefangen, sie haben uns motiviert, und wir haben mit ihnen zusammen diese Organisation, um das Elend aus der Welt zu schaffen, aufgebaut und weiterentwickelt, mit ihnen geht es auch weiter, ganz ohne Zweifel. Auch wenn sie nun die „Tour de France“ nicht mehr machen werden, so machen sie doch vor Ort weiter, und ich bin Zeuge, dass sie durchaus nicht untätig sind, sondern sich nach wie vor ganz für die Kinder einsetzen, mit uns an ihrer Seite, auch von weitem!
Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich in Phnom-Penh, ich sehe ihr ununterbrochenes Engagement. Wir haben gerade das Familienfest der Mitarbeiter von PSE gefeiert, mit allen Internatsbewohnern. „Opa und Oma“ sind dabei und inmitten all „ihrer Kinder“ gefordert und gut umgeben.
Möge das Fest des Lächelns für alle „unsere Kinder“ weitergehen. Wir werden alle zusammen „Opa und Oma“ zeigen, dass sie auf uns zählen und wir ihnen noch viele schöne Feste so wie dieses schenken können. Apropos Feste: Ich wünsche Ihnen allen fröhliche Jahresendfeste.
Ein ganz gewöhnlicher Tag bei PSE (von Martin de Roquefeuil)

Ein brutaler, schmerzhafter Ruf zur Ordnung! Man könnte sich daran gewöhnen, die Kinder sauber und ordentlich in ihren Schuluniformen zu sehen, an ihre außerordentlichen schulischen und sportlichen Erfolge. Die Müllkippe ist nun seit einiger Zeit schon 12 km weiter umgezogen. Dadurch, dass sie nun weiter weg ist und die schrecklichen Gerüche von dort, wenn der Wind aus der Richtung kam, nun nicht mehr das Zentrum erreichen, lässt sie uns fast vergessen.
Ich esse Abendbrot mit „Opa und Oma“, im Büro, das zu jedem Essen in ein Esszimmer verwandelt wird. Guter Laune diskutieren wir verschiedene Projekte, selten weit von PSE entfernt.
Da kommt um 21.30 Uhr, brutal, ein Anruf von Leakhéna, die für den Sozialen Dienst zuständig ist: ein kleines siebenjähriges Mädchen ist von ihrem Vater missbraucht worden. Wie kann ein Mann seinem eigenen Kind etwas, welches es so schrecklich für das Leben zeichnet, antun?
Eine Stunde später erfahren wir das Verschwinden eines unserer Kinder, 14 Jahre alt. Sofort müssen Suchmaßnahmen eingeleitet werden.
Ein wenig vorher kümmerte sich Leakhéna um die Feuerbestattung der Mutter von Srey Roath, an Alkoholkrankheit gestorben. Ihre kleine Tochter wurde von ihren Kameraden in letzter Zeit öfter gehänselt, denn ihre Mutter hatte bei uns eine geschützte Arbeitsstelle und wankte oft vollkommen betrunken durch das Zentrum. Der Vater hat die Familie verlassen und ihre beiden Brüder sind geistig zurückgeblieben. Ihre Schwester ist im Höllenkreislauf ohne Ausweg der Prostitution gefangen. Natürlich war sie traurig und schämte sich, aber trotz aller Hänseleien hatte sie doch ihre arme Mutter lieb. Sie machte ihr Mut und half ihr beim Essen in der Schulspeisung. Srey Roath kommt dann in das Büro von Christian, mit einer Freundin, die übersetzt. Ihr Gesicht ist verzerrt von Traurigkeit und Überforderung. Wir versuchen, sie zu trösten, aber man wird sich sehr viel um sie kümmern und sie sehr gern haben müssen, bis sie ein bisschen vergessen wird können.
Kurz darauf erfahren wir das Verschwinden eines jungen Mädchens aus einer unserer Familien, von ihrer Mutter nach China verkauft, um die für hierzulande enorme Schuldenlast von 1.200 $ abzutragen. Man kann sich leicht vorstellen, für welche Zwecke sie verkauft worden ist. Ihre Mutter hatte ihr erzählt, dass sie Morddrohungen erhalten hätte, wenn sie ihre Schulden nicht bald bezahlen würde. Dieser Erpressung hat die Tochter schließlich nicht standgehalten und in den Handel eingewilligt. Leakhéna verbringt die halbe Nacht bei der Mutter, um die Wahrheit zu erfahren und so vielleicht die Tochter noch zu finden, bevor es zu spät ist. Mit Lüge auf Lüge hält diese sie bis zum nächsten Morgen hin. Sie hat ihre Tochter in den Tod geschickt, denn die Prostitution führt hierzulande unweigerlich zu Aids. Wenn sie wenigstens vorher einen Ton gesagt hätte, dann hätte man helfen können, retten. Aber um 9 Uhr ist das Flugzeug abgehoben und sie, unter einem falschen Namen, ihrem tragischen Schicksal ausgeliefert. PSE wird alles versuchen, um sie wieder zu finden, aber die Chancen sind weniger als gering.
Und schließlich muss noch das Problem in einer Familie geregelt werden, wo der Vater trinkt und alle Mitglieder schlägt…, und eine kleine elfjährige Not aufgenommen, die seit Wochen regelmäßig missbraucht wird…
Der Alltag von PSE, so sieht er aus. Mit der Wirtschaftskrise hat sich das Leben der ärmsten Familien, solcher, um die wir uns kümmern, dramatisch verschlechtert. Der Kampf ist ohne Ende, immer wieder Elend und Gewalt bei den Ärmsten der Armen. Immer wieder geschlagene Kinder, Mütter, die zu arm sind, um ihre Kinder und Säuglinge zu ernähren, zu ausgelaugt, um eine Schwangerschaft bis an ihr natürliches Ende zu bringen, zu verschuldet, so dass sie ihre Töchter als Sklaven an Familien verkaufen (allein in Phnom-Penh zählt man heute über 23.000) oder als Prostituierte an Mafiakreise.
Wir dürfen auf keinen Fall alle diese armen Leben, die es zu retten gilt, vergessen – auch wenn das makellose Weiß ihrer Schuluniformen uns diese Realität manchmal versteckt.
Aber ein ganz gewöhnlicher Tag bei PSE, das ist auch… (von „Oma“)

… der ehemalige PSE-Schüler Chantha, der Verantwortlicher beim Marketing von Mercedes geworden ist, und der uns besuchen kommt, denn er möchte etwas für PSE tun. Bis wir etwas Passendes für ihn gefunden haben, übernimmt er eine Patenschaft und schlägt vor, Samstagnachmittags Lehrgänge zum Marketing zu geben.
… das ist Savin, die uns ihren Verlobten vorstellen möchte und sich bei uns bedankt, dass sie einen guten Beruf erlernen konnte.
… das sind Karuna, Pisey, Sarom, Dany … und viele andere, die abends einfach so auf einen Plausch vorbeikommen, um uns ihre Freude zu zeigen und viele Küsschen auszutauschen.
… das sind die Frühstücke mit Leakhéna, während derer wir so viele Dinge unserer Leben und unserer Familien miteinander besprechen.
… das sind alle diese vielen lächelnden Gesichter, die unsere Tage erhellen und uns stets sehr froh machen.
… das sind Pheaktra und Laihor, zwei Jugendliche von der Hotelfachschule, die mit ihren Familien ganz gerührt gekommen sind, um sich zu verabschieden. Beide, der Junge und das Mädchen, sind ausgewählt worden, um während sechs Monaten ein Praktikum in Portugal zu absolvieren.
… das sind alle diese Ehemaligen von PSE, die aus Anlass eines Fotos in Facebook, uns ihre Dankbarkeit erweisen für das, was PSE ihnen ermöglicht hat.
… das sind die Familienfeste, von denen eines am letzten Sonntag stattgefunden hat: die Mitarbeiter, die mit ihren Familien kommen, um mit den Internatskindern ein Essen, Spiele und Tänze zu teilen.
… das ist die Freude, Kinder retten zu können, wie z.B. diese zwanzig, die wir diese Woche ausgewählt haben, und die wir so dem Elend entreißen können.
… das ist…, das sind noch 1000 mehr Glücksmomente…

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