PSE-Zeitung Mai 2015 deutsch

Nr. 67, Mai 2015

Für ein Kinderlächeln – PSE, Mai 2015, Nr. 67
Was ist aus ihnen geworden? Die Familie Kay, großartige Erfolge

Wir hatten sie auf der Müllkippe gefunden, fünf wunderschöne kleine Mädchen, in einem schrecklichen Zustand. Wenn man sie sah, taten sie einem sofort sehr leid. Stückchenweise haben wir ihr elendes Leben entdeckt.

Der Vater verschwendete alles Geld, was sie unter solchen Mühen auf der Müllkippe erarbeitet hatten, um sich mit seinen Kumpanen zu betrinken. Wenn sie den ganzen Tag auf der Müllhalde gearbeitet hatten und schließlich abends ein paar magere Pfennige vom Altstoffverkauf heimbrachten, dann bekamen sie noch nicht einmal etwas zu essen, sondern wurden auf die Müllkippe zurückgeschickt, um sich dort verdorbene Lebensmittel zu suchen und miteinander zu teilen. Da der Vater alles ausgab, lebten sie in einer elenden Hütte inmitten von einem Sumpf von Unrat. Zu Hause stritten sich die Eltern ständig mit großer Gewalttätigkeit (die Mutter wurde mehrere Male ohnmächtig aufgefunden). Die Kinder wurden ebenfalls regelmäßig mit dem Stock geschlagen. Inmitten all dieser Gewalt blieben die Mädchen rührend in ihrem Gehorsam, ihrer Ergebenheit und Sanftmut… Das blieb so bis zu dem Tag, als ihre Mutter ins Krankenhaus kam und wir entschieden, sie ins Internat aufzunehmen, denn sie waren in großer Gefahr, allein mit ihrem Vater, der prahlte, dass er sie verkaufen wollte, um seiner Mätresse Geld geben zu können.

Sie sind bei uns geblieben und aufgewachsen, haben sehr brav gelernt, ohne jemals Probleme zu machen, obwohl sie so viel durch gestanden hatten. Das Leben im Zentrum hat ihnen ermöglicht, sich zu entwickeln und eine schöner als die andere zu werden. Sie haben auch Weisheit bei der Wahl ihrer Ehemänner gezeigt, und Geduld gehabt, bis zum Ende ihrer Ausbildung zu warten, bevor sie sich verheirateten.

Sinoun: Nach ihrer Ausbildung ist sie nach Siem Reap gezogen, wo sie verheiratet ist, mit zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen.

Sinieng hat eine Hotelausbildung bei uns gemacht, Arbeit gefunden und, im Zentrum, einen „Ehemaligen“ von PSE geheiratet. Sie haben eine kleine Tochter.

Sina, die beim Versuch ihren Vater vom Alkohol abzubringen beinahe ihre Gesundheit ruiniert, ja ihr Leben riskiert hat, ist gelernte Verkäuferin und hat sich, ebenfalls im Zentrum, mit einem weiteren „Ehemaligen“, Mono, verheiratet, der die Filmausbildung gemacht hat und heute dort Lehrmeister ist. Sie haben einen kleinen Jungen.

Ganz vor kurzem, im Mai, haben wir im Zentrum die Hochzeit von Sinieth gefeiert, die eine Wirtschaftskaufmannausbildung gemacht hat. Sie hat ihren Rugbytrainer geheiratet.

Piseth, der einzige Junge der Familie, hat gerade die Hotelfachschule beendet, und Sineth, die jüngste mit 14 Jahren, ist in der 8. Klasse.

Es macht uns sehr glücklich, sie heute so froh zu sehen!

Die Versammlung der Familien

Wenigstens einmal im Jahr organisiert das Sozialarbeiterteam ein Treffen der Familien (Eltern) unserer Kinder. Dieses Mal waren es insgesamt 1200, die der Einladung gefolgt sind. Wir versammelten uns auf dem Schulhof, unter einem Zeltdach, um uns vor der Hitze zu schützen, die noch nicht von den Monsunregen gedämpft wurde. Wir sind immer wieder beeindruckt, alle diese Familien zu sehen, die Vertrauen zu uns haben, daß wir ihren Kindern die Möglichkeit geben, sie eines Tages ganz dem Elend zu entreißen. Alle diese von Müdigkeit und der Härte des Lebens gezeichneten Gesichter. Alle diese Mütter, die trotz ihres schweren Lebens alles tun, um der Familie das Überleben zu gestatten, oft genug ohne Ehemann oder mit einem, der eine Last ist. Diese Treffen helfen uns, die aktuelle Lage der Dinge zu ermitteln und ihre Schwierigkeiten und ihre Erwartungen besser zu verstehen, damit sich das Sozialarbeiterteam auf die neuen Situationen einstellen und auf neue Herausforderungen adäquat reagieren kann. Jetzt geht es nicht mehr nur um die Müllkippen, sondern auch um andere Orte voller Elend, wo das Überleben einen täglichen Kampf erfordert. Das ist auch die Gelegenheit, manchen Frauen einfach nur zuzuhören, die am Ende sind, angesichts all dieses Elends, und nicht mehr weiterkönnen. Es ermöglicht außerdem, ausführlich unsere Absichten darzulegen, um Missverständnissen vorzubeugen.

Lernen Sie Ihre Kinder kennen – Einige der jüngsten der verzweifelten Fälle, mit denen wir tagtäglich zu tun haben

 6 Kinder: 5 Jungs: Sarin, Vannak, Vannet, Sao [es fehlt ein Name] von 12, 7, 5, 3 und einem Jahr und ein Mädchen, Phanit, 9 Jahre alt. Der Vater arbeitet auf dem Bau, unregelmäßige Arbeit und schlecht bezahlt, und die Mütter kümmert sich um die die Kinder. Sie leben in einer kleinen Zinkhütte, mit Blättern bedeckt, über einem Abfluss, keine Elektrizität. Sie haben weniger als 30 $ im Monat, für 8 Personen, das sind nicht einmal 4 $ pro Person pro Monat! Die beiden ältesten sind einmal zur Schule gegangen, aber jetzt nicht mehr, weil die Mittel dazu fehlen. In diese Notsituation hat PSE eingegriffen: Nachholeklassen für die beiden ältesten, eine lokale Schule für den nächsten, Kindergarten für die Kinder von 3 und 5 Jahren und so, für jeden von ihnen, eine Mahlzeit pro Tag, Reis und Hort für den halben Tag ohne Schule. Ein Minimum, um leben und zur Schule gehen zu können!
 Eine kleine Blätterhütte, ohne Elektrizität, über einem Abflusskanal: dort leben ein Junge, Phat, von 7 Jahren und ein kleines Mädchen, Srey Phy, 1 Jahr alt. Die Mutter ist zu Hause und der Vater arbeitet in der Gummifabrik. Sie haben nicht jeden Tag zu essen, und wenn es Reis gibt, so gibt es nur Salz dazu. Auch hier musste unbedingt geholfen werden. Das Mädchen in den Kindergarten, damit die Mutter arbeiten gehen kann, Schule für den Jungen, mit einer Mahlzeit, den Rest des Tages ebenfalls aufgenommen und Reis für die Abendmahlzeit. Man möchte so gerne mehr tun, aber es gibt so viel Not…
 Ein Vater im Gefängnis, eine kranke Mutter, die eben ihr 3. Kind geboren hat, und 2 Jungs, Chantha und Chanthorn, von 5 und 2 Jahren. Sie haben nichts, benutzen Regenwasser, haben keine Toiletten, nichts zu essen. Manchmal helfen die Nachbarn ein bisschen aus. So ist es nicht erstaunlich, dass die Mutter nicht genug Milch hat. Die provisorische Erste Hilfe von PSE: Reis, Fischbüchsen, Milch für das Baby, die Miete bezahlt und eine kleine finanzielle Hilfe, bis die Mutter gesund genug ist und sich wieder selbst helfen kann. Hier gibt es keinerlei Nothilfe. Und so gibt es in einer solchen Situation auch keine Abhilfe.
 Wenn die Eltern arbeiten, dann sind die Kinder allein und in Gefahr, gleich neben den Eisenbahngleisen. Was kann man tun? Der Vater ist Fischer und die Mutter nimmt die Fische aus. Aber ihre Einkünfte sind unregelmäßig und so schaffen sie es nicht, ihre Familie mit 5 Kindern zu ernähren, 3 Jungs Puthea, Sokna, Sokny (13, 10, 6 Jahre alt) und 2 Mädchen Sreymey und Sreilin (6 und 5 Jahre alt). Sie haben im besten Falle 26 $ im Monat. Außerdem ist der Vater gewalttätig, denn er trinkt. Zuerst: Reis natürlich, und eine richtige Mahlzeit pro Tag, dann Schulbesuch für die Kinder: Nachholeklassen für die beiden ältesten, lokale Schulen für die nächsten beiden, und Kindergarten für die Kleine. Und schließlich, um sie zu schützen, während des halben Tages ohne Schule, Hort in der Strohhütte.

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