Für ein Kinderlächeln Kambodscha – Journal September 2015

Für ein Kinderlächeln – PSE, September 2015, Nr. 68

Wir haben Recht!
(von Christian des Pallieres, „Opa“)

Wir teilen miteinander einen Slogan, Bestandteil unserer Identität, den wir auf alle unsere offiziellen Papiere aufdrucken: „Aus dem Elend zu einem Beruf“ (de la misère à un metier). Das erscheint vielleicht nebensächlich, aber das ist genau das Besondere an unserer Aktion und unser aller freiwilliger Verpflichtung.

Das heißt konkret, dass wir sämtliche Etappen vom Elend zu einem Beruf in Betracht ziehen und in unsere Aktion einbeziehen: die Schulausbildung, das Erforschen der Bedürfnisse des Landes, die Lehrausbildung mit Hinsicht auf diese Bedürfnisse, bis zum tatsächlichen Ergreifen dieses Berufes im aktiven Leben.

Das heißt also, dass wir uns, wenn wir ein Kind in unsere Programme aufnehmen, auf oft genug 15 Jahre für dieses Kind verpflichten, ganz so wie man es für die Erziehung der eigenen Kinder tut. Das dauert lange, kostet viel und erfordert viel Mut und Durchhaltevermögen von allen Beteiligten, aber das ist die einzige wirkliche Lösung, denn diese Arbeit geht bis ans Ende.

Aber Sie möchten vielleicht Bemerkungen machen wie ungefähr diese: „Was denn, du bist immer noch mit Kambodscha beschäftigt? Ist die Geschichte immer noch nicht zu Ende?“ Nein, sie ist noch nicht zu Ende, weil wir alles tun, damit das Kind, das wir aufgenommen haben, ein Erwachsener wird, der uns nicht mehr braucht. Und ich glaube, wir haben Recht mit unserer Methode, denn das Zeitgeschehen bestätigt sie…

Die vielen Millionen Euro, die man seit so vielen Jahren in die afrikanischen Entwicklungsländer steckt (entweder vom Staat aus, mit unseren Steuern, oder durch Hilfsorganisationen), wenn dort kontrolliert worden wäre, wohin das Geld fließt und darauf Acht gegeben, dass es in gute Lehrausbildungen, die dem Land entsprechen, geht – meinen Sie wirklich, dass wir dann diese Flüchtlingswelle aller dieser jungen Leute hätten, die ihr Leben riskieren, um bei uns Arbeit zu erbetteln? Ganz bestimmt nicht, denn viel zu oft kam das Geld in wenig skrupulöse Hände und wurde entwendet.

Bei uns, keiner der Ehemaligen braucht uns noch. Oder haben wir Sie gebeten, Arbeit für eines unserer Kinder zu finden? Nein. Denn gemeinsam haben wir uns darum gekümmert, dass sie uns nicht mehr brauchen, dass sie an der Entwicklung ihres Heimatlandes teilnehmen können und selbst Arbeitsplätze schaffen. Wir sollten stolz darauf sein und der Berechtigung unserer Aktion sicher, denn sie zielt bis aufs Ende.

Natürlich sind wir alle auch von anderswo, anderen traurigen Zeitgeschehnissen angesprochen und berührt. Aber lassen wir diese Arbeit hier nicht liegen, die nur dann wirklich Wert hat, wenn sie bis ans Ende geführt wird. Wir danken allen Paten und den verschiedenen Lokalgruppen, die dies verstanden haben und die uns nun schon seit so vielen Jahren treu unterstützen.

Wir suchen Kompetenzen

Wir suchen freiwillige Helfer, die uns in juristischen und finanziellen Fragen ab und zu beraten könnten. (Die Kenntnis der speziellen Lage von Hilfsorganisationen wäre dabei besonders hilfreich.) Wir suchen außerdem freiwillige Übersetzer (englisch, deutsch, spanisch, flämisch) für unseren vierteljährlichen Rundbrief, den Jahresrapport und andere Dokumente. Bitte wenden Sie sich an Elizabeth (elizabeth.deleprevier@pse.ong oder Tel. 01 39 67 17 25).

Der Wechselkurs: eine schwerwiegende Entwicklung für PSE, die sich zu stabilisieren scheint! (von J.-M. Bouchard, Vorsitzender)

Wie Sie sicherlich wissen, kommen unsere Mittel zum größten Teil aus der Eurozone, während unsere Ausgaben sich hauptsächlich in Dollar vollziehen. Während der letzten Jahre stand der Wechselkurs bei ungefähr 1.20 bis 1.35 Dollar pro Euro und war für uns günstig: wenn wir in Phnom Penh 1000 $ benötigten, so entsprach das, den verschiedenen Jahren entsprechend, zwischen 750 und 850 €. Der Wechselkurs stand im August 2014 bei 1.33, sank zum Dezember und Jahresanfang 2015 auf ein neues Niveau, zwischen 1.08 und 1.16 schwankend; die Perspektiven künden, nach Expertenaussagen, einen Kurs von zwischen 1.1 und 1 an.

Für die Ausgaben für die Kinder (Nahrungsmittel, Pflege, Schule, Lehrausbildung usw.), mit einer monatlichen Patenschaft von 47 €, hatten wir 60 $ zur Verfügung. Heute macht das weniger als 50 $, mit der Aussicht von bloß 47 $. Ein brutaler Einschlag von 25 bis 30 % weniger als geplant – ein großer unvorhergesehener „Schock“ für unsere Finanzen! Um mit dieser neuen Situation umgehen zu können, haben wir Anfang des Jahres mit unserer Mitarbeitergruppe in Phnom Penh Tiefenanalysen angestellt: um weniger auszugeben, mehr einzusammeln… Leichter gesagt als getan!

Was die Ausgaben betrifft, haben wir unsere sämtlichen Aktivitäten mit ihren Kosten unter die Lupe genommen: das, was unsere wesentliche Aufgabe den Kindern gegenüber betrifft, die Mitte unserer Mission, das, was unabdingbar ist, und das, was ein „plus“ ist und also reduziert werden kann oder momentan unterbrochen, falls wir nicht die nötigen Mittel dazu haben.

Wir haben auch nach Sparmöglichkeiten innerhalb unserer Organisation und Funktionalitäten gesucht und entsprechende Anordnungen getroffen, die bleiben werden. Das Rechnungsjahr für 2015-16, das gerade begonnen hat, basiert, aus Vorsicht, auf einem Wechselkurs von 1:1. Mit einer Konsolidierung der Anzahl unserer Kinder, mit ungefähr 6 % Sparmaßnahmen innerhalb des Rechnungsjahres und einem engeren Budget, das noch 9 % weniger ansetzt, sollten unsere Ausgaben gegenüber dem Budget von 2014-15 um 15 % gesunken sein. Eine große Anstrengung, die viele Opfer gekostet hat.

Wir haben gleichzeitig auch darüber nachgedacht, wie wir unsere Mittel erweitern könnten. Und da können Sie uns helfen: weitere Paten finden, die Patenschaft erhöhen… Wir dürfen die Arme nicht sinken lassen. Die Kinder brauchen uns. Alles, was Ihnen einfallen könnte und uns helfen, den großen Schock zu schlucken, ist willkommen. Stellen Sie sich einfach nur vor, dass jeder von Ihnen seine Patenschaft um ein paar Euro erhöht und/oder einen neuen Paten oder Spender überzeugt! Alle, miteinander, können wir diese Herausforderung bestehen!

Was ist aus ihnen geworden?

Chhit Vannet, 27 Jahre alt, ist die fünfte von sechs Kindern einer sehr armen Familie, aus der Provinz von Prey Veng. Beide Beine sind gelähmt, so dass sie nicht laufen kann. Aber sie ist eine geborene Kämpferin (vielleicht gerade aufgrund ihrer Behinderung?). Sie hatte sich alleine entschieden, in die Stadt zu ziehen, um dort weiterzulernen. Sie hat Abitur gemacht und studiert jetzt an unserer Fachhochschule für Geschäftsführung. Sie wohnt im Internat, fährt mit dem Rollstuhl und ist eine so frohe und lebenslustige, gesellige junge Frau, dass man darüber fast ihre Behinderung vergisst, insbesondere wenn sie, zu Festen, (mit den Armen) im Rollstuhl tanzt. Ihre Freundlichkeit bewirkt, dass sie stets jemanden findet, der ihr hilft, wenn sie es braucht. In diesem Jahr war sie Helferin beim Sommerlager. Das war toll, sie und die Kinder ihrer Gruppe zu sehen, wie sie den Rollstuhl alle gemeinsam überallhin schoben. Obwohl sie mit ihrem Studium noch nicht einmal fertig ist, und trotz ihrer Körperbehinderung, hat das Ministerium für Touristik sie schon angestellt. Damit sie in die Stadt fahren kann, haben wir ihr Geld geborgt für ein behindertengerechtes Motorrad, mit zwei Hinterrädern. Sie wird uns allmählich die Summe von ihrem Gehalt zurückzahlen. Im Moment lebt sie noch im Internat. Eine schöne Lektion von Mut und Optimismus, für uns alle, die wir oft vergessen, was für ein Glück wir haben, laufen zu können.

Bopha, 24 Jahre alt, ist die Älteste von drei Kindern. Sie lebten allein mit ihrer Mutter in einer sehr schwierigen Situation. Die Mutter, herzkrank, war zu Hause als Näherin, um die Familie zu ernähren. Die Familie war sehr arm, man hatte nicht täglich zu essen, mit 17 $ pro Person pro Monat. Daher haben wir die Kinder 2010 in unser Schulprogramm mit Reisausgleich aufgenommen. Bopha hat französisch gelernt und Abitur gemacht, und danach in Phnom Penh ein Studium der französischen Literatur an der Universität begonnen. Nach einem Praktikum in einem Hotel hat sie ein Stipendium von der Hotelgruppe Arcor-Esthua erhalten, um in Frankreich in zwei Jahren einen Magister zu erwerben! (Danke an Arcor, der unseren Jugendlichen solch eine Chance gibt, sich der Welt zu öffnen!) Sie ist schön, spricht tadellos französisch, und hat viele schöne Pläne für später, wo sie gerne in der Ereignisbranche tätig sein möchte. Am 16. August ist sie nach Angers geflogen, glücklich und stolz. Sie nimmt Tourismuskurse und Management und hat uns vor kurzem geschrieben: „Ich habe viel für das Studium zu tun, aber kein Problem damit. Ich werde im März ein Praktikum in einem der Hotels der Arcor-Gruppe absolvieren. Ich bin sehr froh, dieses Studium gewählt zu haben.“ Da sie während mehrerer Jahre Helferin im Sommerlager war, hat sie so zu ihrer großen Freude ihre französischen Freunde von diesen Lagern in Frankreich wieder getroffen und zieht das Beste aus dieser einmaligen Erfahrung: „Mir gefällt Angers sehr gut, eine sehr sympathische Studentenstadt.“ Wenn man bedenkt, wo sie herkommt!.… Bravo, Bopha, für deine Leistung!

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