PSE Newsletter Nr. 80

Für ein Kinderlächeln – PSE, Juli, August, September 2018, Nr. 80

 

Leitartikel von Ghislaine Dufour, Vorsitzende der Hilfsorganisation

 

Auf der Versammlung der Geschäftsführung im Juni wurde der Kurs für den nächsten „Fünfjahrplan“ abgesteckt.  Kambodscha kann sich eines regelmäßigen ökonomischen Wachstums erfreuen, aber der ebenfalls anwachsende Exodus der Landbevölkerung entfernt die ärmsten unter ihnen von ihren angestammten Solidaritätsnetzwerken.  PSE möchte in dieser Richtung seine Hilfsmittel optimieren, d.h. jene, die Sie uns zur Verfügung stellen, damit sich die Qualität unserer Aktionen verbessert, wir aber trotzdem noch mehr Kinder in unsere Programme aufnehmen können.

 

Am 15. August hat sich die Hotelfachschule von PSE in ein „Zentrum für die Bestätigung der Berufskenntnisse in der Hotel- und Touristikbranche“ verwandelt.  Dieses Zentrum wird in Zukunft auch unsere sämtlichen Lehrausbildungen rechtsgültig machen.  Das ist eine schöne Anerkennung!  Die ersten, die daraus Nutzen ziehen werden, sind unsere ehemaligen Lehrlinge, die ihre Abschlüsse von vor 2012 (das Jahr, in dem das PSE Institut als ein offizielles Lehrausbildungsinstitut in Kambodscha anerkannt wurde) so rechtsgültig machen können.

 

Und am 15. September wird unsere Filmschule in Kalifornien geehrt werden: dort werden die Studenten des 3. Jahrgangs auf dem „Kambodscha Filmfestival“ einen Dokumentarfilm vorstellen, der von der kalifornischen Jury ausgewählt wurde.

 

Dies ist der 23. Schulanfang, seit PSE in Kambodscha begonnen hat.  Wir sind dabei, das inzwischen mythische „Weißer Lotus“ Restaurant zu restaurieren, damit wir auf dem neuesten Stand der Anforderungen für die Hotelfachschule sind.  Außerdem bauen wir weitere Klassenzimmer für den Nachhilfeunterricht für die Kinder aus den öffentlichen Schulen.

 

All dies können wir natürlich nicht ohne Ihre Unterstützung, denn mehr Kinder zu retten, das bedeutet auch mehr Paten.  Sagen Sie es weiter!  Vielen Dank für Ihre Treue!

 

Lernen Sie Ihre Kinder kennen

 

Eine zehnköpfige Familie: der Vater ist in einer Putzkolonne und die Mutter Tellerwäscherin.  Eine 86jährige Großmutter wohnt bei ihnen mit.  Sk., der älteste Junge hat mit 14 die Schule verlassen und lebt seit drei Jahren im Drogenmilieu.  Sy., Sa. und Sn., drei Mädchen im Alter von 16, 16 und 15 Jahren, in der 7., 8. und 9. Klasse müssen halbtags arbeiten.  Dann gibt es noch die 12jährige St. (5. Klasse) und einen 6jährigen Jungen Th. (1. Klasse) und eine kleine Nachzüglerin, Ks., die zu Hause ist. Obwohl das sehr schwer ist, versuchen die Eltern, die Kinder regelmäßig zur Schule zu schicken, aber die Eltern, die nichts lernen konnten, können mit ihren kleinen Einkommen nicht alles bezahlen.  Daher müssen die drei älteren Mädchen außer der Schule auch noch arbeiten, was ihrer Schulausbildung nicht gut tut, und mit der Gefahr, eventuell sogar ganz aufhören zu müssen.  Keines der Kinder war bisher in einem PSE-Programm, denn unsere Sozialarbeiter haben sie gerade erst entdeckt.  Die Unterstützung beginnt so mit Hilfe bei Lebensmitteln und den Schulkosten für alle fünf Kinder.  „Aus dem Elend zu einem Beruf“, das beginnt mit der Schule.

 

Viele denken, dass die Roten Khmer nunmehr Geschichte sind.  Aber das ist nur zur Hälfte wahr, denn die Folgeerscheinungen dieser schlimmen Zeit sind noch da.  Kambodscha entwickelt sich rasch, das ist eine von allen wahrzunehmende Wirklichkeit.  Aber jene Familien, die ganz arm sind, und die, insbesondere, nichts lernen konnten aufgrund des großen Schadens, den diese furchtbaren Jahre angerichtet haben, die können die verlorene Zeit nicht aufholen und bleiben auf der Strecke.  Und es sind genau diese Familien, die wir unterstützen und mit denen wir zusammenarbeiten.

 

Was ist aus ihnen geworden?

 

Sun Sovannara. Sie ist 31 Jahre alt.  Das Leben hat sie in ihren ersten Lebensjahren nicht verwöhnt…  Sie lebte mit zwei Schwestern, ihrem Bruder und zwei Cousins bei ihrer Großmutter, denn beide Eltern waren gestorben.  Sie waren Lumpensammler auf der ehemaligen Müllkippe.  Aber das war noch nicht genug, denn Sovannara bekam Kinderlähmung.  Heute hinkt sie noch sehr, mit einer lahmen Hüfte.  Aber mit all dem, oder vielleicht trotzdem, blieb sie ein fröhliches Kind, mit einem entwaffnenden Lächeln.

 

Alle Kinder wurden in die Programme von PSE aufgenommen, von 2000 an, und alle haben nach ihrer Schul- und Berufsausbildung Arbeit, mit der sie würdig ihr Leben verdienen können.  Sovannara hat an unserer Filmschule studiert und später auch gearbeitet, ist aber dann woandershin gewechselt, denn manche Berufe in der audio-visuellen Branche sind hart für ihre Art von Körperbehinderung.  2012 hat sie Sem Sarom geheiratet, auch er ein Ehemaliger von PSE, aus der Kellnerlehrausbildung.  Und trotz ihrer recht großen Missbildungen, ein weiteres Wunder, hat sie eine Schwangerschaft (auch mit Hilfe von Michel Sebban, unserem Freund, Arzt und Gesundheitsbeauftragten) bis ans Ende führen können und eine niedliche kleine Tochter zur Welt gebracht, die heute schon zwei Jahre alt ist.  Es ist wohl nicht nötig zu sagen, dass sie jetzt noch einmal so viel strahlt…!  Gegenwärtig arbeitet sie freiberuflich als Schnittmeisterin an Projekten von „Meta Haus“, dem deutschen kulturellen Zentrum, und verdient dort 50 $ am Tag.

 

Ich werde nicht müde, mich an diesen so guten Neuigkeiten zu erfreuen.  Manchmal hat man uns gefragt, fragt man uns immer noch, wie wir das Ganze durchhalten können.  Nun, das ist insbesondere dies: zu sehen, was aus den Kindern wird, die gar keine Zukunft hatten.  Wie könnte man daran denken, etwa aufzuhören?!

 

Der Weg von PSE

 

Man hat uns oft gefragt, ob wir am Anfang gewusst hätten, was wir machen wollen, ob wir eine Vorstellung davon gehabt hätten, was aus unserer Aktion werden würde.  Ganz ehrlich, nein.  Wir hatten davon absolut keine Vorstellung.  Wir wussten bloß, dass wir die Kinder nicht in dieser Situation weiterleben lassen können, in der wir sie gefunden hatten.  Wir hatten keine Ahnung, wohin das führen würde.  Wir haben einfach nur einen Fuß vor den anderen gesetzt, so wie die Bedürfnisse des Tages es eingaben.

 

Vor einigen Tagen haben Freunde uns einen Kalenderspruch zugesandt, der, wie mir scheint, unseren Weg sehr gut zusammenfasst.  Er stammt von Saint-Exupéry: „Ich ziehe meine Spur, ohne sofort zu verstehen, aber ich gehe los…  Auf dem Wege wird mir das Ziel erscheinen, in seiner ganzen Pracht.“  Dem habe ich nichts hinzuzufügen…  Außer, dass zu dem Weg von PSE auch alle jene Freunde dazugehören, die sich uns im Laufe der Jahre angeschlossen haben.

 

Der „Fünfjahrplan“

 

Alle fünf Jahre treffen sich die Verantwortlichen von PSE (aus Frankreich und aus Phnom Penh) und wir denken gemeinsam über die Zielsetzungen der nächsten Jahre nach.  Dieses Mal haben wir beschlossen, dass wir weiter an der Verbesserung unserer Programme arbeiten, insbesondere, was die Pädagogik und das Erlernen von Fremdsprachen angeht, sowie die Begleitung der Familien mit den größten Schwierigkeiten zu verstärken.  Wir wollen außerdem den Nachhilfeunterricht für diejenigen unserer Kinder erhöhen, die in öffentlichen Schulen unterrichtet werden, damit sie das gleiche Niveau erreichen wie die von unserem Zentrum.  An der Tagesordnung steht weiterhin die Professionalisierung unserer Arbeitsweise.

 

Zur Zeit planen wir nicht, unseren Aktionsbereich zu erweitern, denn wir sind noch nicht fertig, den Bedürfnissen im aktuellen Bereich gerecht zu werden.

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