PSE Newsletter Nr. 83

Nr. 83, Juni 2019

Für ein Kinderlächeln – PSE, April, Mai, Juni 2019, Nr. 83

 

Leitartikel von Ghislaine Dufour, Vorsitzende der Hilfsorganisation

 

Auch dieses Jahr ist Marie-France wieder auf den Straßen Frankreichs unterwegs gewesen und hat dabei einige Grenzen überschritten, um uns Neuigkeiten von den „Goldkörnchen“ mitzubringen und neuen Personen, die uns unterstützen, zu begegnen.  Das waren insgesamt 29 Abende, zusammen mit Seladavid, einem ehemaligen Schüler von PSE und der betont hat, daß er die Mission von Oma und Opa gerne fortführen möchte.  Im Mitarbeiterstab vom Zentrum sind heute 10 % ehemalige Schüler beschäftigt.  Es sind gerade sie, die den ungefähr 6500 Kindern in unseren Programmen am besten die Werte der Hilfsorganisation weitervermitteln, die aus Kindern des Elends aktive Staatsbürger machen möchte, die die Zukunft ihres eigenen Landes in die Hand nehmen.

 

Vielen Dank allen freiwilligen Helfern, die die Säle gefüllt haben.  Danke allen neu zu uns gestoßenen Paten.  Christian sagte gerne: „Wir haben wirklich Glück, zu so einer schönen Familie zu gehören!“  Denn das ist wirklich eine Familie, die eines schönen Tages 1995 in Kambodscha von diesen beiden jungen Rentnern gegründet wurde.  Das ist eine Hilfsorganisation, die tausende Kinder des Elends aufnehmen kann, weil sie über ein außergewöhnliches Freundschaftsnetz verfügt, welches in der Lage ist, sich für die Zukunft dieser Kinder zu mobilisieren.  In unserer Charta kann man es nachlesen: „Es ist diese freundschaftliche Atmosphäre, die die Stärke unserer Hilfsorganisation ist, und die dazu führt, das jeder sein Bestes dazu beiträgt.“

 

Die alljährliche „Tour de France“ allein reicht allerdings nicht aus, um die Gesamtheit der Ressourcen bereitzustellen, die uns helfen, den immer neuen Herausforderungen adäquat zu begegnen.  Die Dringlichkeit von damals ist heute noch dieselbe.  Nach wie vor gibt es Kinder, die nicht zur Schule gehen können, die im Elend und in der Gewalt leben müssen.

 

Wie wäre es, wenn jeder der Paten, der diesen Rundbrief erhält, seine Patenschaft um einige Euro erhöht…?

 

Vielen Dank für Ihre Treue!

 

Ein paar Bilder von der letzten „Tour de France“…

 

Es ist geschafft, wir haben sie hinter uns, diese 23. Tour.  Zuerst einmal möchte ich mich bei allen aktiven Teilnehmern bedanken, für die außerordentliche Runde von alten Freundschaften, Wiedersehen und neuen Bekanntschaften, und insbesondere bei denen, die neu zu unserer Familie von PSE hinzu gestoßen sind.  Ich möchte Ihnen einige kleine Anekdoten von dieser unserer „Rennstrecke“ berichten.

 

* David hatte die Bewunderung von allen für sein gutes Französisch, seine Anpassungsfähigkeit an alle möglichen Situationen und für seine Entschlossenheit.  Ich überlasse ihm das Wort: „Ich habe mich sehr gefreut, alle diese Menschen kennen zu lernen, die PSE unterstützen.  Ich war beeindruckt von allen diesen Senioren, die hart für die Kinder arbeiten und die sich zusammentun, um viele verschiedene Dinge zu organisieren und auf die Beine zu stellen, und von allen jenen, die für PSE während ihrer Freizeit da sind.  Das hat mich tief gerührt.  Alle diese Menschen um PSE sind wirklich eine sehr sympathische Familie.  Mir haben außerdem sehr die verschiedenen Landschaften gefallen, das Klima und die Fleisch- und Wurstwaren, insbesondere Würstchen und Schinken.“

 

* Zwischen zwei Veranstaltungen gab es einen freien Sonntag, wir waren in den Bergen, wo mein Bruder Urlaub machte.  David wollte gerne Schnee sehen…  Aber das Wetter war saumäßig: kein Mont Blanc, auch keine anderen schneebedeckten Berge zu sehen, bloß viel Wind und riesige fallende Schneeflocken.  Es kam nicht in Frage, hoch zu steigen, aber David konnte trotzdem einmal Ski anprobieren, für eine kleine Piste weiter unten.  In der Schweiz hatten wir leider das gleiche Wetter.  Unsere Sehnsucht nach schönen Alpenlandschaften blieb leider unerfüllt.

Emotionen:

 

* In Brüssel habe ich Caroline wieder gesehen, die im Jahre 2000 (!) Helferin bei uns war.  Sie kam mit ihrem Mann und erinnerte sich, dass sie damals Mathematik unterrichtete, für die gerade zehn Lehrlinge unseres ersten Berufsschuljahrgangs, im Sekretariat für englisch und französisch.

 

* Zu einer unserer 29 Abendveranstaltungen kam auch eine Gruppe geistig behinderter Personen.  Ich war gerührt, als eine von ihnen, am Ende des Films, aufgestanden ist und eine Frage gestellt hat, vor dem so vollen Saal, dass wir sogar Leute wegschicken mussten.  Menschen mit einer Behinderung sind auch sensibel für das Schicksal unserer Kinder.

 

* Auf dem Weg nach Cherbourg haben wir einen kleinen bewegenden Umweg zum Ärmelkanal unternommen, um die Kindheitsorte von Opa aufzusuchen.  Das Schloss seiner ersten Kinderjahre ist jetzt durch eine Berufsschule ersetzt worden.

 

* Nach einer Veranstaltung ist ein Familienvater auf mich zugekommen: „Ich habe vier Kinder“, sagte er, „ich finde es daher selbstverständlich, vier Patenschaften zu übernehmen.“  Was für eine tolle Idee!…

 

* Eine unserer freiwilligen Helferinnen hat die Gelegenheit ergriffen und bei einer Vorstellung von Franck Dubosc die Erlaubnis erfragt, einen Informationsstand für PSE in der Eingangshalle aufstellen zu dürfen.  Diese Initiative hat uns mindestens zehn neue Personen näher gebracht.  Bravo Angélique!  PSE bekannt zu machen, davon weiterzuerzählen, ist das Erste, was man tun kann!

 

Und noch einmal ein großes DANKE SCHÖN an alle für diese so tröstlichen schönen Momente und für Ihr so treues Willkommenheißen jedes Jahr wieder!

 

Rechenschaftsbericht für das Jahr 2017/2018

 

Dieser Bericht wurde auf der Generalvollversammlung vom 30. März 2019 genehmigt.

 

Nach der außergewöhnlichen Steigerung der Einnahmen durch den Film „Die Goldkörnchen“, die das vorangegangene Rechnungsjahr geprägt hatte, müssen wir für 2017-18 eine Minderung von 3 % feststellen, auch durch den generellen Kontext der Verringerung der Spenden in Frankreich.  Diese Minderung war besonders was gelegentliche Spenden betrifft spürbar (- 21 %).  Aber glücklicherweise sind die Patenschaften, die die Aufnahme der Kinder auf lange Sicht ermöglichen, um 3 % gestiegen.  Das hat seinen Grund in der jährlichen „Tour de France“, im Hinzukommen von recht vielen neuen Paten im letzten Jahr, und, überhaupt, in der Treue unserer Paten!  Danke, dass Sie an unserer Seite sind!

 

Die Kosten für unsere Sozialaufgaben (5 656 K€) sind um 5 % gestiegen.  Das ist hauptsächlich durch die größere Anzahl von aufgenommenen Kindern zu erklären: 6 556 Kinder sind in unseren Programmen in diesem Jahr, das sind 732 mehr als im letzten (in dem es einen leichten Rückgang gab).  Aber hinzukommt auch ein größerer Lohndruck.  Der wirtschaftliche Aufschwung in Kambodscha, auch wenn er nicht allen zu gute kommt, wirkt sich auch auf eine Erhöhung der Gehälter aus.  Außerdem entwickelt sich allmählich ein soziales Schutzsystem, was uns sehr freut, denn das ist nötig und gut für die Kambodschaner, aber das schlägt sich eben auch auf unsere Kosten nieder.

 

Die allgemeinen Kosten (501 K€) und die Kosten, um Gelder zusammenzusuchen (101 k€), mit einer Gesamtsumme von 602 k€ (9,6 % der Kosten), sind um 4 % gegenüber dem letzten Jahr gesunken.  Dieser Bericht, sowie unser jährlicher Bericht über unsere Aktivitäten können im Internet unter www.pse.ong konsultiert werden.

 

Ist denn Hilfe immer noch nötig?

 

Es gibt einige, die sich wundern: Sie arbeiten nun seit über 20 Jahren in Kambodscha und es gibt immer noch Familien, die im Elend leben müssen? … Ja, das ist leider so, und aus verschiedenen Gründen.

 

Das Land hat sich in den letzten 20 Jahren enorm und sehr schnell wirtschaftlich entwickelt.  Das hat natürlich dazu geführt, wie überall anders auch, dass die Lebenshaltungskosten gestiegen sind: Mieten, Reis, andere Nahrungsgrundlagen, Land… alles ist um einiges teurer geworden.  Andererseits sind die Aufkaufpreise für den gesammelten Abfall fast gleich geblieben, d.h. sie sind in Proportion enorm gesunken.  Unsere Familien, die Wasserwinden sammeln und verkaufen, oder jene, die Wäsche waschen, oder die Uferschnecken am Straßenrand verkaufen, alle diese sehr armen Familien haben nicht mehr Einkommen als zuvor.  Alle diese Aktivitäten haben gar keine Zukunft, aber es sind die unserer Familien, die weder Kompetenzen noch Ausbildung erhalten haben und die tapfer versuchen, sich mit derlei über Wasser zu halten.

 

Wenn die Situation zu schlimm wird, sucht man Kredite, um die Miete zu bezahlen oder einfach nur, um zu essen.  Aber die Zinsen sind sehr hoch, manchmal bis zu 20 % pro Monat!  Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt.

 

Viele hatten mal ein Stück Land in der Provinz, das ihnen das Überleben ermöglichte.  Aber es brauchte nur 2 oder 3 Trockenzeiten oder Überschwemmungen, wie es oft in den Regionen von Prey Veng oder Svay Rieng vorkommt, oder eine kranke Großmutter oder die Krankheit eines Elternteils, und schon musste eine Hypothek auf das Land aufgenommen werden und schließlich musste das Stückchen Land verkauft werden.  Und so gelangten sie in die Stadt, in der Hoffnung, dort wieder auf die Beine zu kommen.  Das ist eine schöne Falle…

 

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes liegt bei 7 %, das ist hervorragend, man kann darüber nur froh sein.  Aber das hat vermutlich unausweichliche Nebeneffekte, die diejenigen ausschließen, die sich außerhalb des Systems befinden.

 

So hat zum Beispiel die Entwicklung bewirkt, dass die Baubranche boomt.  Das führt dazu, dass die Preise für Bauflächen stark ansteigen: das gleiche winzige Stückchen Land, 4 x 5 m2 um seine Hütte drauf zu stellen, das man vor 10 Jahren für 2,50 $ mieten konnte, kostet heute 10 $!  Und falls es einem gehören sollte, ist man bald gezwungen es zu verkaufen, weil der Stadtteil sich weiterentwickelt.  Und man wird weiter an den Rand der Stadt getrieben.  Und ich spreche hier gar nicht vom „schnellen Geld“, das unsere jungen Leute an die Orte mit Drogen und Prostitution zieht…

 

Also, es gibt nach wie vor sehr große Bedürfnisse.  Unsere Arbeit der Bildung und Ausbildung dieser Kinder, auch die Bildung der Eltern, bleibt lebensnotwendig.  Das ist die einzige Chance für sie, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, um sich mit einem richtigen Beruf in die Entwicklung ihres Heimatlandes einfügen zu können.

 

Es bleibt dringend notwendig, den Kindern und ihren Eltern

zu helfen, weil sonst noch eine Generation dem Elend

zum Opfer fällt.  Wir dürfen die Arme nicht sinken lassen,

denn wir sehen ja, dass unser System funktioniert.

Sie können gerettet werden, aber dafür brauchen wir Sie.

 

Und darum danken wir von ganzem Herzen Ihnen allen, die sich einmal entschieden haben, eine Spende zugunsten der Kinder zu machen.  Denn das ist schon sehr viel!  Aber uns zu unterstützen, in dem man die Spende ab und zu wiederholt, hilft uns, auf Dauer zu helfen, und das ist ebenfalls sehr wichtig, denn so können wir weitermachen.

 

Und dann gibt es noch die Patenschaft, die eine Sicherheit für die Kinder ist, damit sie bis zu einem Beruf unterstützt werden.  Wir zählen auf Sie!

Veröffentlicht unter Allgemein